Das Pferd spiegelt den Reiter
Wer reitet, weiß: Mit Sitzproblemen hat jeder Reiter mal mehr, mal weniger zu kämpfen. Nicht immer bringt der Reiter die erforderlichen Grundvoraussetzungen für einen aktiven, dynamischen Sitz mit in den Sattel. Zu viel sitzen im Job, in der Schule oder an der Uni sowie ein allgemeiner Bewegungsmangel führen zu muskulären und
koordinativen Defiziten oder festgefahrenen, falschen Bewegungsmustern. Schlimmer noch: Es kommt zu Haltungsschäden und Schmerzen. Reiter mit teilweise eingeschränkter Beweglichkeit und Koordination – und wenn wir ehrlich sind, sind wir es alle – stören das Pferd auf unterschiedliche Weise, belasten das Pferd punktuell oder irritieren sein Gleichgewicht.
Mache ich mich im Sattel fest, wird sich auch das Pferd festhalten und zu Verspannungen neigen. Unter einem Reiter, der sich festhält und damit den Fluss der Bewegung von hinten nach vorne stört, kann kein Pferd über den Rücken gehen. Pferde spiegeln nicht selten die körperlichen Probleme ihrer Reiter wider. Es ist nicht zwingend ein Handicap, das mich einschränkt. Wenn mein Becken – die Verbindungsstelle von Reiter und Pferd – eingeschränkt beweglich ist, brauche ich eigentlich fast nicht aufs Pferd zu steigen. Dann wird es nie so gut, wie es werden könnte.
Dreidimensionale Bewegung
Die Dreidimensionalität der Beckenbewegung ist der Schlüssel zu einem guten Grundsitz, denn das Becken nimmt die dreidimensionale Rückenbewegung des Pferdes auf.
Hierzu gehört auch das Thema Sattel: Dieser muss die dreidimensionalen Bewegungen des Beckens erlauben und dazu auch genügend Beinfreiheit lassen. Ein anderes Beispiel: Hat der Reiter zu wenig Körperspannung, wirkt sein Rumpf bei der Abwärtsbewegung des Pferderumpfes im Trab als träge Masse auf den Pferderücken, vor allem im Bereich der Brustwirbel.
Unangenehm fürs Pferd – und auf lange Sicht schädlich.
Wenn aber der Reiter seine eigene Koordination, Körperspannung und Beweglichkeit trainiert, arbeitet das Pferd fast automatisch in der richtigen Form. Schon kleinste Verbesserungen der Beckenbewegung erhöhen die natürliche Aufrichtung des Reiters, der nun besser mitschwingen kann. Das Pferd kann besser untertreten, sich mehr schließen und selbst mehr Körperspannung aufbauen.
Ein neues Sitzgefühl
Um dynamisch im Gleichgewicht sitzen zu können, braucht der Reiter vor allem drei Fähigkeiten: Cross-Koordination, Rumpfstabilität und Gleichgewichtsgefühl. Das Angebot an Online-Kursen für Reiter-Fitness, Yoga und Gymnastik wird immer
größer. Als Bewegungstrainer nach Eckart Meyners bin ich fest davon überzeugt, dass sich mit gezieltem Training erstaunliche Erfolge erzielen lassen. In meinen Lehrgängen hatte ich schon Pferde, die nicht mehr taktrein gehen konnten. Nach dem Bewegungstraining waren sie in allen drei Gangarten wieder im Takt. Viele Übungen nach Eckart Meyners zielen darauf ab, den Reiter mit ungewohnten Auf gaben zunächst zu „verwirren“ bzw. eine Dysbalance bewusst herzustellen. Dies hindert den Reiter daran, auf automatisierte, also unbewusste Bewegungsmuster zurückzugreifen.